Der Alltag im 12. Jahrhundert

Das 12. Jahrhundert war ein spannendes - es war eine Zeit der Umbrüche, der Erfindungen, der Neuerungen, der Eroberungen, der Kreuzzüge.

Politisch gesehen sticht im 12. Jahrhundert vor allem der Kaiser Friedrich der Erste Barbarossa hervor, der 1152 an die Macht kommt. Zunächst wird er zum König gekrönt, 1153 verspricht ihm der Papst, zu dieser Zeit Eugen der Dritte, ihn zum Kaiser zu erheben, wenn er ihm gegen die Römer und die Normannen zu Hilfe kommt. Papst Hadrian der Vierte wird diese Kaiserkrönung ein Jahr später vollziehen.
Bayern blüht unter Heinrich dem Löwen auf, München wird gegründet. Später fällt Heinrich allerdings der Acht anheim.
Das 12. Jahrhundert erlebt aber auch das erste Schisma - und nicht nur eines. Mehrfach finden sich Papst und Gegenpapst in den Geschichtsbüchern. Die ersten Kreuzzüge werden durchgeführt, mit wechselndem Erfolg. Der letzte in diesem Jahrhundert (der dritte insgesamt, der 1189 beginnt) endet damit, daß 1190 Barbarossas auf dem Rückweg aus dem Heiligen Land bei der Querung eines Flusses den Tod findet. Sein Sohn Heinrich der Sechste. ist sein Nachfolger auf dem Königsthron des Stauferreiches.

Herausragende Ereignisse der allgemeinen Art waren zum Beispiel die Heiligsprechung Karls des Großen an Weihnachten des Jahres 1165 durch Victor den Vierten. in Aachen. Lübeck wird zur Reichsstadt erklärt. In England wird ein Gerichtssystem eingeführt, das nach einheitlichem Recht reisenden Richtern die Verurteilung von Straffälligen mit Hilfe eines Geschworenensystems ermöglicht.

Große Personen begegnen uns in diesem Jahrhundert einige - weltliche und kirchliche. Sehr bekannt ist Hildegard von Bingen, die zuletzt als Äbtissin wirkte, dabei nicht nur Seherin sondern auch Dichterin, Gelehrte und Ärztin war, und 1179 starb. Bekannte Werke sind Causae et Curae und Liber Scivias.
Weitere bekannte Dichter sind Walther von der Vogelweide, vor allem bekannt für seinen Minnesang, oder auch Konrad der Pfaffe, der das Rolandslied verfaßte. Großartige Vordenker waren Bernhard von Clairvaux, einer der größten Theologen seiner Zeit, oder Peter Abaelard, der mit seiner unglücklichen Liebe zu seiner Nichte Heloise noch über Jahrhunderte für Stoff für Dichter sorgte.
Auch die Wissenschaften kamen nicht zu kurz - man möge an Fibonacci denken, den genialen italienischen Mathematiker, dessen Lehren zum Teil noch einige Jahrhunderte nicht weiterentwickelt werden konnten, so perfektioniert waren sie. Heute noch kennt jeder Gymnasiast seine Fibonacci-Folge, eine Zahlenreihe, in der jede Zahl die Summe der beiden vorhergehenden ist.
Große Erfindungen lösten eine Reihe von Umbrüchen aus. Die Verbesserung des Hakenpfluges, die es ermöglichte, nicht nur eine Furche in den Boden zu ziehen, sondern den Acker richtig zu wenden. Die Einführung der Dreifelderwirtschaft sorgte für stark gesteigerte Erträge. Auch die Erfindung des Kummet war ein Durchbruch - endlich konnte man Pferde, die viel mehr Kraft haben als z.B. Ochsen, für den Ackerbau einsetzen, da ihnen das Kummet ermöglicht, Pflüge o.ä. zu ziehen ohne zu ersticken.
Zudem war das 12. Jahrhundert im Durchschnitt ein warmes (man vergleiche es z.B. mit dem 15. Jahrhundert, das im Schnitt einige Grad kühler war). Die Bevölkerung konnte sich dadurch stark vermehren, neue Gebiete wurden für den Ackerbau erschlossen, zudem wurden systematisch Menschen in Städte umgesiedelt, die aufgrund der guten Erträge auch ernährt werden konnten. Dort entwickelten sich rasch die Handwerke und der Kaufmannsstand, die Städte erblühten und erlangten nicht nur Macht sondern auch Sonderstellungen. Sehr bekannt ist heute noch der Spruch "Stadtluft macht frei" - jeder Hörige, der es schaffte, in einer Stadt ein Jahr und einen Tag in einer Anstellung zu leben, erlangte seine persönliche Freiheit und war von Stund an nicht mehr länger Hab und Gut seines Herrn.

Zuletzt aktualisiert am 06.08.2005