Reisebericht Pilgerreise 2005
Podiceps Cristatus - Pilgergruppe

Pilgern 2005 Pilgern 2005 Podiceps Cristatus am Kreuzstein Podiceps Cristatus am Kreuzstein Podiceps Cristatus am Ende Gruppenbild am Ende der Pilgertour 2005 Bert Tassilo Jacobäa Zoelestine Ulfried mit der gefundenen Reliquie Tassilo Stella & Bert Stella & Zoelestine am Startpunkt der Tour Zoelestine & Claudia: Zum Lästern reicht die Luft noch. Impressionen der Pilgertour: Claudia & Stella Impressionen der Pilgertour: Wegsuche im Wald Impressionen der Pilgertour: Wir folgen dem Berufspilger Impressionen der Pilgertour: Pilgern mit Lastpferden Impressionen der Pilgertour: Stella & Zoelestine auf dem idyllischen Waldpfad
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Reisebericht: Pilgern auf dem Jakobsweg

Morgens halb zehn in Roßtal. Vor den Toren der alten Reichstadt Nürnberg versammelt sich ein kleines Häuflein Gewandeter vor der Laurentiuskirche, um in den nächsten beiden Tagen Teile des fränkischen Pilgerwegs von Nürnberg nach Rothenburg zu wandern. Mit dabei 2 Hunde und 2 Packpferde. Die Pferde werden beladen und die Kiepen nochmal gerade gerückt, dann soll es eigentlich losgehen. Nach einem Abstecher in die schöne gotische Gruft geht es los. Genau 5 Minuten bevor sie vom Betreuer des nahe gelegenen Heimatmuseums vor das Rathaus geleitet werden, wo sie vom Bürgermeister verabschiedet und mit ihm fotografiert werden. Jetzt geht's aber wirklich los. An der Ausfallstraße entlang, über einen Feldweg hinein in den Wald. Auf weichen Waldwegen, beschirmt vor der schon hoch stehenden Sonne kommen sie gut voran. Am Waldrand kann man schon die erste Ortschaft sehen, Fernabrünst. Der Himmel ist wolkenlos und es ist für April sehr warm. Es wird erstmals umgepackt.
Durch Fernabrünst und bis über den folgenden Aussiedlerhof hinaus ist der Untergrund Asphalt. Da bleibt zur Rettung der Schuhsohlen nur der Wegrain. Nun biegen sie rechts ab in ein idyllisches Wiesental, am südlichen Waldrand entlang führt der Weg und die Zungen der Hunde werden immer länger. Deshalb wird jetzt erst mal Pause gemacht, Brotzeit herausgekramt und die Hunde dürfen in die Teiche springen, sehnsüchtig von manchem Auge verfolgt. Die Pferde grasen gemütlich auf der angrenzenden Wiese. Kurz darauf geht es weiter, der Weg ist noch weit.
Durch Wendsdorf hindurch und beim Aufstieg auf die Hochfläche kommt der erste Kontakt mit der Bevölkerung. Sie werden gebeten, kurz zu warten. Pilger sind hier zwar ein bekannter Anblick, solche Gewandung und Ausrüstung jedoch nicht. Der Fotoapparat klickt und es geht weiter bergan.
Oben auf der Hochfläche brennt die Sonne schon ganz gehörig und kein Schatten weit und breit. Die Felder sind noch fast bar jeder Vegetation und Pfützen für die Hunde rar. Zum Glück erfolgt der Abstieg nach einer halben Stunde durch den Hangwald. Ein schmaler Pfad endet in den Gärten von Bürglein. Ein kleiner Bach durchfließt den Ort und nun werden die Pferde getränkt. Auch die braven Pilger bekommen von hilfsbereiten Anwohnern die Feldflaschen wieder gefüllt. Auch hier ist, wie überall die Ortsdurchquerung auf Asphalt oder Pflaster. Kaum eine Chance, die Schuhe und Füße zu schonen.
Bürglein geht nahtlos in Böllingsdorf über. An einem leider geschlossenen Räucherfischstand laden Tische und Bänke zur Rast ein. Hier ist der richtige Platz, um Mittagspause zu machen. Schnell sind die Taschen und Kiepen geleert, und auf dem Tisch findet sich Brot, Vinschgerl, Wurst, Speck, Käse, Gemüse und hartgekochte Eier in buntem Durcheinander. Dazu Wasser aus den vollen Feldflaschen. So läßt es sich leben, ein schattiger Platz, ein voller Tisch und die Kiepen ein Stück leichter beim Weitergehen.
Erst nach geraumer Zeit geht es weiter. So lange haben auch die Bewohner der nächsten Häuser gebraucht, um sich den Pilgern zu nähern. Ein kurzes Gespräch und eine Füllung der Feldflaschen später geht es auf die zweite Hälfte dieser Etappe. Nun kommt keine Ortschaft mehr bis zum Zwischenziel Heilsbronn. Hinter Böllingsdorf weitet sich das Tal etwas, weiche Wege und abwechslungsreiche Strecken sind Labsal für Füße und Blick. Die Hunde springen durch den Bach, die Pferde gönnen sich am Wegrand den einen oder anderen Grasbüschel.
Ein kurzes Stück entlang der Straße zum Queren des Tals, und der Weg verschwindet im Wald. Nur noch ein Pfad, kaum zu erkennen, führt im Hochwald bergauf. Zwischen umgestürzten Bäumen und dem Unterholz fühlt man sich wirklich fast wie im Mittelalter. Weiter geht es am südlichen Talrand entlang, von Bäumen und Büschen beschirmt.
Kurz vor Ketteldorf biegt der Feldweg nach Süden ab, der Untergrund wird sandig, und die müden Beine freuen sich über die Erholung. Auch den Tieren ist jetzt eine gewisse Müdigkeit anzusehen. Beim Anmarsch auf die flache Kuppe erscheint dann eine Kirchturmspitze am Horizont, das Münster von Heilsbronn sendet erste Grüße. Die Gruppe grüßt zurück mit dem Ruf des Pilgerhorns. Jetzt geht es schneller voran, das Ziel ist in Sicht. Über die Bahnstrecke hinweg geht es nach Heilsbronn hinein. Erstaunte und teilweise interessierte Blicke folgen den bunten Gestalten, die da am Freitagnachmittag mit Hunden und Pferden auf dem Marktplatz eintreffen. Hier trennen sich kurz ihre Wege, die Pferdebesitzer bringen ihre Rösser in den Stall und auf die Koppel, der Rest bringt das Gepäck in die Unterkunft. Danach treffen sich alle wieder am Marktplatz, im Cafe am Jakobsweg, um die Seele ein wenig baumeln zu lassen und sich die Zeit bis zum Kulturprogramm mit der wohlverdienten Apfelschorle zu vertreiben. Mit dem Abendläuten betritt die Gruppe das Münster. Die georderte Führerin blickt am Anfang erstaunt, aber schnell ist man in Fachsimpeleien über das Münster, die Altäre, die Statuen und Gemälde vertieft. Nur zu schnell ist die Stunde vergangen und die Pilger kehren im Klosterhof ein, um sich zu stärken. Aber nicht lange danach fordert die Anstrengung des Tages ihren Tribut und der Ruf der Betten ist nicht mehr zu überhören. Noch schnell den Straßenstaub abgewaschen und dann ins Bett.

Der zweite Tag beginnt mit dem gemeinsamen Frühstück. Im Hof warten schon 3 Mann Verstärkung. Zusammen geht es nun zum Stall, wo die Packpferde geputzt und gesattelt werden. Durch schmale Gäßchen und durch eine kleine Pforte geht es zurück in die Stadt auf den Münsterplatz, wo in der Bäckerei noch ein Pilgerbrot zur Wegzehrung erstanden wird. Die Pferdehufe klappern über den Asphalt, und es geht unter der Eisenbahn hindurch Richtung Wald. Nebenan auf der Wiese liegt die Quelle der Schwabach, während die Pilger dem Wald zustreben. Leider ist die erste Strecke schnurgerader Schotterweg, für die geschundenen Füße und Hufe keine Erleichterung, nur die Hunde nutzen die über Nacht zurückgewonnene Energie und versuchen, in jedem Dickicht zu verschwinden. Aus dem Ketteldorfer Forst heraustretend, erblicken unsere Pilger die Kirche von Großhaslach auf dem gegenüberliegenden Berg. Dort soll die nächste Pause sein.
An Teichen vorbei, die auch diesmal wieder von den Hunden freudig in Anspruch genommen werden, geht es den ersten Häusern der Ortschaft zu. Ein kurzer Anstieg nach Überqueren der Hauptstraße führt hinauf zur Wehrkirche. Während die einen die Pferde versorgen, nutzen die anderen die Gelegenheit, und besichtigen die Kirche. Viel interessanter ist aber die Taufkapelle nebenan, ein ehemaliges gotisches Beinhaus. In dessen Schatten, die Pferde im Blick, wird Rast gemacht. Brot, Käse, Wurst sollen für den noch vor ihnen liegenden Weg Stärkung sein.
Im Anschluß werden die nun schon merklich leichteren Pilgerflaschen nachgefüllt, und auf dem Bergrücken entlang geht es weiter, über die Felder dem fernen Waldrand entgegen. Direkt nach Betreten des Waldes gabelt sich der Weg, und in der Gabelung steht ein Kreuzstein. Uralt, von Moos überwachsen, kündet er von einer Kontinuität des Jakobsweges, der einen erschauern läßt.
Mit der Gabelung wird auch der Untergrund fußschmeichelnder. Nicht nur das, es folgt die wohl urtümlichste Phase des gesamten Tages. Stämmige Wurzeln lassen allzu saumselige Pilger straucheln, dicke Moospolster bieten den geschundenen Sohlen und Hufen weichen Gang. Der Pfad windet sich sacht, aber bestimmt. Jede Biegung, ob Hochwald oder Dickung, enthüllt dem Blick neue Ansichten. Jeder Laut der Zivilisation ist nun verklungen, das Licht fällt gedämpft durch die Wipfel und selbst die Hunde hält der Zauber gefangen. Das ist echtes Eintauchen in den Weg, der das Ziel ist. Hier ist Mittelalter. Bis zum Waldrand hält dieser Schleier, dann senkt sich der Weg in ein kleines Tal nach Reckersdorf hin.
So sanft der Abstieg war, so steil zeigt sich der Aufstieg nach Überquerung der Rippach. Nichtsdestotrotz ist das Gewässer willkommen, fließt es doch auch durch Weihenzell, dem Tagesziel. Genauso willkommen sind nun die Pilgerstäbe: als Stütze, um nach dem Aufstieg wieder Atem zu schöpfen.
Durch den dichten Wald geht es weiter, auf weichem Boden, ein Labsal nach dem geschotterten Anstieg. Als sich der Wald öffnet auf eine weite Hochfläche, liegen weit in der Ferne Forst und Petersdorf links und rechts an den Feldern. Der Weg führt aber zwischen beiden hindurch, die Sonne brennt und kein Schatten zu sehen. Die Schritte von Menschen, Hunden und Pferden werden langsamer und kürzer. Ein kurzer Abstecher in den nahen Wald und ein Langholzstapel lädt zur ersehnten schattigen Rast ein.
Aber bald geht es wieder über die Felder. Der Weg zieht sich endlos und ist geschottert, selbst ein kurzes Stück entlang der Landstraße fällt da nicht weiter auf. Jeder Rain wird von Mensch und Getier genutzt. Am Waldrand entlang geht es nun der Hangkante zu. Vor ihnen öffnet sich ein Tal und unten, an den Ufern der Rippach, steht die Kirche von Weihenzell. Freudig begrüßen die Töne des Pilgerhorns den Anblick.
Steil bergab geht es nun, aber zügig, jetzt da das Ziel in Sicht ist. An den Wohnhäusern vorbei wird erneut die Rippach überquert und dann nimmt die ruhige Kühle des Kirchenschiffs die Pilger auf, während es sich Hunde und Pferde im Kirchhof gut gehen lassen. Ein herzliches Willkommen, das das Gotteshaus bietet, Sitze zur Entlastung der müden Füße, ein Buch, in das sich schon viele andere Pilger vor uns eingeschrieben haben, und Mineralwasser, speziell für durstige Pilger bereitgestellt. Unsere Pilger nehmen die Annehmlichkeiten dankend an.
Kurz darauf hat sie jedoch das moderne Leben wieder, die Pferde müssen verladen werden, ebenso wie der Rest. Die übrigen Autos werden aus Roßtal geholt und binnen einer Stunde sind alle vor den Toren Rothenburgs in Diebach. Dort im Gasthaus Krone findet der Ausklang statt. Nachdem die Pferde im Stall untergebracht sind, finden sich nach und nach unsere gewaschenen Pilger in der Gaststube ein. Die kulinarischen Genüsse, die von der Küchenmeisterey aufgetischt werden, lassen schnell die Beschwernisse der letzten Tage verschwimmen. Was bleibt, sind die Erinnerungen an eine gemeinsame Reise, an bewältigte Strapazen und die Tatsache, daß alle wohlbehalten angekommen sind.

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Infotafel Pilgern